Deco Bild
Document Actions

14. FCHO-WORKSHOP ZUSAMMEN MIT DER SWISSICHO IN ZüRICH

Nach 14 Jahren gab es ein Novum in der langjährigen Workshop-Tradition: erstmals trafen sich FChO’ler und SwissIChO’ler zu einem gemeinsamen Workshop in der Schweiz. Endlich, werden sich viele gesagt haben. Denn diese Idee geht schon auf die 90er Jahre zurück – seit dieser Zeit bestehen nämlich schon enge Beziehungen auf der Ebene der Schüler, der Ehemaligen und der Betreuer. Und nicht zuletzt studieren und lehren viele ehemalige Chemie-Olympioniken im „Land der Eidgenossen“.

Als letztes Jahr die Idee wieder aufflammte, stellte sich sogleich ein ganzes Organisationsteam zur Verfügung, das den Workshop organisierte – sowohl auf schweizer wie auch deutscher Seite war die Unterstützung gross. Und nicht zuletzt die ETH Zürich (hier insbesondere das Departement Chemie und Angewandte Biowissenschaften) unterstützte diese Veranstaltung prompt.

Der Workshop wurde wieder am traditionellen ersten Wochenende des Jahres vom 5.1. bis 8.1.2006 durchgeführt und begann am Donnerstag Abend sogleich mit einer Überraschung: statt der angemeldeten 25 Teilnehmer/innen am Abendessen in der Commi-Halle trafen bereits mehr als 50 Teilnehmer ein! Kein Problem: Man rückte zusammen, es kam  zu einem ersten „Hallo“, „Salut“ oder „Hoi“… Alte Freundschaften wurden gepflegt, neue geknüpft. Kostengünstig, wenn auch eher spartanisch wie in einer Jugendherberge, bot das „Formel 1-Hotel“ in Zürich-Oerlikon für viele eine Unterkunft in einer verkehrstechnisch günstigen Lage.

Am Freitag Morgen wurde der Workshop von der Vorsteherin des Departementes für Chemie und angewandte Biowissenschaften der ETH Zürich, Frau Prof. Wunderli-Allenspach, und von Jan-Dierk Grunwaldt seitens des Organisationskomitees offiziell eröffnet. Das Programm war wieder einmal sehr abwechslungsreich. Die Vorträge starteten mit einem Mix aus Chemie und Erfahrungsberichten von Universitäten, auch anderer Länder und Kulturen. Die Titel „Wagler“-Umlagerung und weiteres aus der Koordinationschemie (Jörg Wagler) und Fullerene und Kohlenstoff-Nanoröhrchen (Thomas Bark) versprachen nicht nur wissenschaftliche Aktualität sondern regten gleich eine lebhaften Diskussion an. Was passiert mit Nanopartikeln im menschlichen Körper? Hier wurden Erfahrungen (Vorhersagen?) aus den 80er/90er Jahren und aktuelle Trends verglichen. Auch mit Quantenphysik und Chemie? (Stefanie Gräfe) sowie Katalyse an kleinen Edelmetallpartikeln (Stefan Hannemann) ging es fachübergreifend weiter, bevor dann nach der Mittagspause Impressionen aus Nepal (Frank Sobott) und Erfahrungen vom Chemiestudium am Massachusetts Institute of Technology (Lars Plate) weitergegeben wurden. Mit dem Vortrag Was können EPR-Spinsonden in Proteinen sehen? hatte Gunnar Jeschke die Möglichkeiten, einen Teil seiner Forschung aus Mainz an seiner alten „Wirkungsstätte“ zu präsentieren (Doktorand Mitte der 90’er an der ETH Zürich). Sabine Nick, die in Zukunft die Betreuung der Chemie-Olympiade in Deutschland aus den Händen von Wolfgang Bünder übernehmen wird, zeigte in ihrem Beitrag Chemnet – eine multimediale Chemievorlesung im www auf, dass Chemie und Internet einander hervorragend ergänzen.

Während nun im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für das abendliche Essen unter Regie von Andreas Messmer und Stefan Hannemann liefen, kam auch in das Programm Abwechslung. In diesem Jahr entschied sich das Organisationskomitee auf einen Experimentalvortrag zu verzichten und stattdessen Professoren der „jüngeren“ Generation von der ETH Zürich einzuladen.  Aus Sicht der Schweizer Chemie-Olympioniken war zunächst ein „alter Hase“ am Werk: Prof. Wendelin Stark (ETH Zürich), der die Schweiz drei Mal bei der Internationalen Chemie-Olympiade vertrat, präsentierte in einem illustren und unterhaltsamen Vortrag die Präparation und Anwendung von Nanopartikeln, ohne auch die kritische Frage nach deren Gesundheitsverträglichkeit auszusparen (Titel: Nanoparticles: From improved catalysts to medical implants and health issues: How do we know what’s dangerous?). Und dann wurde es noch „olympischer“: Maurice Cosandey stellte die 20-jährige Geschichte der Schweizer Chemie-Olympiade vor und Christoph Jacob zeigte in Kürze die Entwicklungen der Chemie-Olympiade-Bewegung in Deutschland auf. Die Bilder-Show von der letzten Internationalen Chemie-Olympiade in Taiwan bildete schliesslich den Höhepunkt – gemeinsam von deutschen und Schweizer Teilnehmern präsentiert.

Wer geglaubt hätte, nun seien die Gedanken bereits beim „Abendprogramm“ wurde getäuscht. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass es Prof. Renato Zenobi in seinem Vortrag Proteine in der Gasphase gelang, jeden im Raum von seiner Forschung zu überzeugen und interessante Fragestellungen in den Raum zu stellen. Analytik hat nicht nur etwas mit Physik sondern auch mit Biochemie, organischer Chemie und physikalischer Chemie zu tun. An dieser Stelle sei den drei eingelandenen Rednern nochmals ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen, dass sie neben der exzellenten Vorbereitung auch so viel Enthusiasmus an den Tag legten!

Das grösste Experiment des Tages stand noch auf dem Programm: Für mehr als 70 Teilnehmer ein Fondue-Essen zu organisieren, benötigt nicht nur einen Raum (wurde gleich an der ETH Hönggerberg angemietet) und ausreichend Caquelons, sondern auch die richtige Fonduemischung und ab und zu ein wenig Geduld. Zugegeben – nicht immer, aber in den meisten Fällen gelang die richtige Mischung... Und den richtigen Weisswein gab es auch dazu...

Auch am nächsten Morgen ging es gleich wieder ans Eingemachte – nun im ETH Zentrum in den legendären Hallen des Hauptgebäudes: Jens Bredenbeck startete mit seinem Vortrag Mehrdimensionale Spektroskopie – jetzt auch in Infrarot – übrigens, wen es interessiert, der kann es aktuell auch in den Blauen Blättern (Februar-Ausgabe 2006) nachlesen. Es folgte Christoph Jacob mit Relativistische Quantenchemie – Oder was hat die Relativitätstheorie mit Chemie zu tun? und den spannenden Facetten der theoretischen Chemie. Mit dem Vortrag Perspektiven für die chemische Industrie in Europa wurde der Blick auf die gesellschaftlichen Aspekte der Chemie geöffnet, welches mit den Vorträgen Funktion und Verfügbarkeit strategischer Metalle (Prof. Armin Reller) und Pack das Sparschwein in den Tank (Christoph Kiener) weitergeführt wurde. Chemie kann viel bewirken, doch auch ihre Möglichkeiten sind von einer Reihe von Faktoren inklusive politischer Tendenzen begrenzt. Themen, über die auch in der Mittagspause noch heftig diskutiert wurde.

Nach dem Mittag folgten nochmals drei interessante Vorträge von Eugen Merkul (Alkinone als nützliche synthetische Intermediate: Ein-Topf-Synthese der Furane und kurze Totalsynthese der Naturstoffe Meridianine), Franziska Gröhn (Warum ist der Himmel blau? Lichtstreuung zur Charakterisierung von Nanoteilchen) und Wolfgang Bünder (Entscheidungen in komplexen Situationen). Ein gelungenes Vortragsprogramm dank der vielen Beiträge und des offenen Diskussionsthemas! Nur schade, dass es zu oft wieder die Älteren waren, die einen Vortrag hielten. Daher schon jetzt der AUFRUF an die jüngeren Mitglieder des Vereins für das nächste Jahr: Präsentiert auch Eure Arbeit oder interessante Themen!

Auch wenn in der Mittagspause viele bereits einen Blick vom „Balkon“ der ETH Zürich auf die Stadt gewagt hatten, so war die Stadt noch nicht erkundet. Dazu bot sich jetzt Gelegenheit – viele nahmen das Angebot einer Stadtführung durch Bahnhofstrasse, Niederdorf und Limmatquai an. Nur kalt war es an diesem Tag... Danach stand kulturell noch ein Konzert auf dem Programm – oder man konnte das Nachtleben Zürichs noch in eigener Regie erleben.

Den Abschluss der Workshops bildete eine Informationsveranstaltung über die Projekte des Fördervereins Chemie-Olympiade e.V. an der ETH Hönggerberg und eine Führung durch die Labors, die – auch wenn das Gebäude nun bereits 5 Jahre steht – noch wie neu wirken. Ein Dankeschön an die vielen Organisatoren hier in Zürich und an die vielen Teilnehmer, die die kurze oder auch lange Anreise in Angriff genommen haben. Wir hoffen, dass dies zu vertieften bzw. neuen Freundschaften sowie vielen neuen fachlichen Eindrücken beigetragen hat.

Und nun noch die wichtigste INFO zum Schluss: Als nächster Ort wurde München auserkoren und wieder findet der Workshop traditionell am ersten Wochenende des Jahres statt. Wir wünschen dem Organisationsteam viel Glück bei der Vorbereitung.

 

Jan-Dierk Grunwaldt

Alexej Michailovski

 Zum Programm des Workshops 2006