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WORKSHOP 2009 IN KARLSRUHE

Von NMR bis Maultasche – FChO-Workshop  in Karlsruhe

 

Alle Jahre wieder, in den ersten Tagen des neuen Jahres, findet der FChO-Workshop statt. Bereits zum 17. Mal trafen sich die FChOler diesmal in Karlsruhe, der „Fächerstadt“, von Donnerstag, den 08.01.2009, bis Sonntag, den 11.01.2009. Wie jedes Jahr gestalteten die FChOler den Workshop mit Vorträgen zu ihren aktuellen Forschungsthemen oder anderen Gebieten größtenteils selbst.

Los gings am Donnerstag mit einem gemeinsamen Abendessen im „Badisch Brauhaus“, wo einige Teilnehmer sogleich die badische Spezialität des Flammkuchens probierten. Es gab schon das ein oder andere Wiedersehen in der Jugendherberge am Europaplatz, in der die meisten der Teilnehmer untergebracht waren und der Abend stand ganz unter dem Stern geselligen Beisammenseins.

Der Freitag startete mit einem Besuch bei der Firma Bruker Biospin GmbH, eine der größten Hersteller von NMR-Geräten in Deutschland, die interessante Einblicke in drei verschiedene komplexe Anwendungsfelder der NMR-Spektroskopie bot:

Zum einen lernten die Teilnehmer die Festkörper-NMR-Spektroskopie kennen, die es ermöglicht, die in Festkörpern gegebene Anisotropie (die es in Flüssigproben aufgrund der Molekularbewegung nicht gibt) bei der Messung auszucanceln.

Die Darstellung des NMR profiling zeigte eindrucksvoll, wie NMR zum Untersuchen von Fruchtsäften eingesetzt werden kann.

Schließlich wurde das Micro Imaging vorgestellt, das, ähnlich wie im Krankenhaus die Magnetresonanztomographie, als bildgebendes Verfahren eingesetzt wird und das endlich anschaulich macht, was es heißt, wenn Nudeln „al dente“ sind. (Die Entwicklung von Nudeln während des Kochvorgangs war NMR-spektroskopisch untersucht worden; anhand mehrerer Querschnittsbilder war der Kochvorgang nachvollziehbar.) Dieses Feld wurde durchaus kontrovers aufgenommen: Aus der Menge der Zuhörer kam die Frage, ob es nicht ein bisschen mit Kanonen auf Spatzen geschossen sei, zur Untersuchung der Verteilung von Luftblasen in Lebensmitteln gleich komplexe, bildgebende NMR-Verfahren anzuwenden.

Der Empfang war sehr freundlich (Kaffee für alle an jeder Station) und im Anschluss gab es noch einen Imbiss mit Brezeln und Getränken bei Bruker, bevor man zum Mittagessen in die Stadt aufbrach.

Nach der Mittagspause stand bei klirrender Kälte die Stadtführung auf dem Programm, die die Teilnehmer über die spezielle Entstehungsgeschichte der Stadt Karlsruhe aufgeklärte. Einer Einführung in die Stadtgeschichte am Schlossplatz folgten unter anderem der Besuch des Bundesverfassungsgerichts  (nur von außen) und des botanischen Gartens auf der Rückseite des Gebäudekomplexes.

Die Wanderung führte weiter durch die Stadt in die außerhalb des Zentrums gelegene katholische Kirche, wo einige Teilnehmer in der Mitte des Gebäudes eine im Boden eingebaute Heizung entdeckten und den warmen Untergrund nutzten, um ihre kalten Zehen wieder mit Leben zu füllen. Es muss ein interessanter Anblick gewesen sein, als sich schließlich ca. 20 FChOler dicht auf dem rechteckigen Feld tummelten; Zuschauer sprachen von „Hühnern auf der Stange“. Zum Schluss standen die Teilnehmer auf dem Marktplatz vor der Pyramide von Karlsruhe, der Grabstätte des Stadtgründers Markgraf Karl Wilhelm, die, mit Ausnahme zweier „Nacht-und-Nebel-Aktionen“ der Stadtverwaltung (1889 und 1999) nicht betreten werden durfte.

Abendessen gab es diesmal in der Jugendherberge und im Anschluss rundete der Besuch im Kabarett „Die Spiegelfechter“ unter dem Titel „Die fetten Haare sind vorbei“ den Tag ab und man ließ den Abend fröhlich ausklingen.

Am Samstag fanden die Vorträge im Lehmann-Hörsaal des Physik-Flachbaus der Universität Karlsruhe statt:

Den Anfang machten zwei Gastvorträge: Ute Marx von der Bruker BioSpin GmbH referierte zum Thema „NMR-Spektroskopie zur Untersuchung von Bioflüssigkeiten“. Dabei ging sie noch einmal detailliert auf das NMR-profiling, insbesondere auf die Untersuchung von Fruchtsäften, ein und dass es mit der beschriebenen Methode möglich ist, neben Bestandteilen und Qualitätsmerkmalen auch Herkunft der Proben zu ermitteln, sofern sie entsprechend katalogisiert worden ist. Zur genauen Identifizierung der Signale wird dafür die 2D-NMR Spektroskopie (COSY, „correlated spectroscopy“) verwendet.

Darauf folgte Prof. Dr. P. Roesky vom Institut für anorganische Chemie der Universität Karlsruhe mit ein interessanten Darstellung der Eigenschaften, Reaktionen und Verwendung komplexer metallorganischer Verbindungen, insbesondere von Zweizentrenkomplexen.

Nach einer kurzen Kaffeepause erzählte Henry Bittig von seinem "Ausflug in die Ozeanographie - GEOF332“ in Bergen, wo er die Tiefenstruktur der Gewässer anhand der Sauerstoffkonzentration am Beispiel des Sognefjords untersuchte. Es folgte unser Vereinsvorsitzender Markus Schwind mit dem Thema "Magnetische Nanopartikel", dem er bei seiner Diplomarbeit am MPI für Polymerforschung in Mainz nachging, und erläuterte die Synthese und magnetischen Eigenschaften von Magnetit-Nanopartikeln verschiedener Formen und deren mögliche Anwendungen in der Medizin und Datenspeicherung. Neue Erkenntnisse der Ehemaligenbefragung von IChO-Teilnehmern präsentierte Dr. Wolfgang Bünder. Als letzten Vortrag vor dem Mittagessen stellte Timo Gehring „Ein neues Edukt für die Soai-Reaktion“ vor, das bereits bei sehr geringen Katalysator-Konzentrationen enantiomerenreines Produkt liefert.

Um viele Erkenntnisse reicher war es nun an der Zeit, in der Stadt etwas Essbares zum Mittag zu finden, um dann gestärkt in die zweite Hälfte der Vorträge zu starten.

Jan-Dierk Grunwaldt eröffnete diese mit dem viel versprechenden Thema „Nanomaterialien in Aktion“. Eher theoretisch ging es im Vortrag von Michael Hell zu, der den “2D-Spin: die nächste Dimension jenseits von Up und Down” vorstellte. Dann berichtete Karin Kiewisch von ihrer aktuellen Doktorarbeit an der ETH Zürich im Rahmen der Schwingungsspektroskopie und den theoretischen Methoden, um Selektivität chemischer Reaktionen zu bestimmen. Einen ganz anderen Charakter hatte der folgende Vortrag zu „Kupfergewinnung – von Gestein zum Metall“ von Alexej Michailovski, der neben einem Einblick in den allgemeinen Arbeitsgang auch Aufschluss darüber gab, welche ökologischen Probleme mit der Erzaufbereitung verbunden sind.

Die anschließende Kaffeepause wurde noch intensiv für Gespräche über die Vorträge oder andere Dinge genutzt. Der nächste Vortrag, gehalten von Andreas Messmer, handelte erneut von 2D-Spektroskopie, diesmal jedoch im Rahmen der Infrarotspektroskopie, mit der sehr schnelle Proteindynamik im Gleichgewicht untersucht werden kann. Wie die IChO-Mannschaft in Bulgarien ausgewählt und vorbereitet wird, ist sicher den wenigsten bekannt gewesen und daher war es umso interessanter, den Ausführungen von Milena Tocheva, die ursprünglich aus Bulgarien stammt und in jetzt Berlin studiert, zu diesem Thema zu folgen. Als Abschluss gab uns Johannes Zipfel seine Perspektive auf die Rolle des Managers und legte seine These dar, dass jeder Zuhörer auf die eine oder andere Art ein Manager sei.

Insgesamt gab ein sehr bunt gemischtes Programm und es wurde deutlich, welche breite Vielfalt das FChO-Netzwerk verkörpert.

Das Abendessen fand in der Jugendherberge statt und den Rest des Abend ließ man entweder vor Ort oder im Stadtzentrum ausklingen.

Am Sonntag fanden die Mitgliederversammlung und die damit verbundene Wahl des neuen Vorstands statt. Der alte Vorstand berichtete über die aktuellen Projekte des Vereins sowie die Finanzen. Anschließend wurden neu gewählt: Der neue Vorstand besteht aus Markus Schwind (Vorsitzender), Timo Gehring (stellvertretender Vorsitzender), Sina Baier (stellvertretende Vorsitzende), Sarah Wallrodt (Schriftführerin) und Tim Bleith (Schatzmeister).

Im Anschluss gab es einen „Maultaschenimbiss“ und Milena versuchte einigen Teilnehmern einen bulgarischen Rundtanz beizubringen. Doch dann hieß es leider für alle Abschied zu nehmen und die Heimreise anzutreten.

Der 17. FChO-Workshop 2009 geht zu Ende; auf ein Wiedersehen 2010 in Berlin!

An dieser Stelle sei den Organisatoren Sandra Ahnen, Stephan Bernadotte, Timo Gehring, Sebastian Höfener, Thomas Kochenburger und Ulrike Schwarz ausdrücklich gedankt für die gute Organisation, und auch allen anderen, die zum Erfolg dieses Workshops beigetragen haben.

Marian Breuer, Sascha Jähnigen

Zum Programm des Workshops.