FCHO-WORKSHOP 2008 IN JENA
Das große Jahrestreffen des FChO fand dieses Jahr in der Mitte Deutschlands statt, in Jena. Zum Auftakt trafen sich die Teilnehmer in der traditionellen Gaststätte „Zur Noll“ im Stadtkern von Jena, wo Leon Freitag (zusammen mit Martin Thomas und Joachim Kübel, der leider nicht anwesend sein konnte, Organisator des Workshops) den Teilnehmern den weiteren Ablauf ankündigte. Im Anschluss blieb man in dem gemütlichen Lokal oder erkundete Jena, auf der Suche nach einem vielleicht etwas preisgünstigeren Abendessen. Im Anschluss trafen sich etliche Teilnehmer in der etwas vom Stadtkern abgelegenen Jugendherberge (mit teilweise mehr oder weniger großen Umwegen auf dem Weg), um dort noch verschiedene beliebte Gesellschaftsspiele (Mafia oder Munchkin) zu spielen.
Am nächsten Morgen begann das Programm mit der Erkundung der Stadt und dessen, was sie prägt. Während die einen bei frischem Klima bei einer Führung die Stadt, ihre Geschichte und ihre Besonderheiten erkundigten und kennen lernten (unter anderem Kuriosa wie eine Rathausuhr, bei der zu jedem Glockenschlag der „Schnapphans“, ein mechanischer Narrenkopf, die Zunge rausstreckt), besuchten die anderen das Glaswerk Schott zu einer Führung.
Die lange Glastradition Jenas prägte das Programm des Workshops auch weiterhin. Wie die Teilnehmer im Verlauf des Workshops noch erfahren sollten, wurden hier vom Glaschemiker Otto Schott, dem Physiker Ernst Abbe sowie dem Industriellen Carl Zeiss und seinem Sohn Roderich Ende des 19. Jhdts. die Jenaer Glaswerke gegründet, deren Produkte weltweit Bedeutung erlangen sollten.
Nach dem Mittagessen in einer Mensa der Universität (wo das Essen erfreulicherweise auch für alle Nicht-Jenaer-Studenten verbilligt war) befasste sich der erste Fachvortrag, gehalten von Thomas Schmiady von der Firma Schott lithotec, mit alten und neuen Methoden zur Herstellung von hochwertigem Glas sowie dessen Anwendungen. Nach einer kurzen Pause mit Kaffee und Keksen wandte sich der Fokus für den restlichen Nachmittag vom Glas ab.
Zuerst beschrieb Markus Schwind in seinem Vortrag „Particle Plasmons – was ist das und was kann man damit machen?“, wie sich Partikelplasmonen, vorstellbar als gemeinsame Schwingungen der Valenzelektronen eines Metallpartikels, zur Untersuchung von Metallnanopartikeln benutzen lassen.
Im Anschluss gab Lars Plate in seinem Vortrag „Studium und Arbeit am MIT“ Einblicke in sein Studium in den USA am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sein Angebot, auch im weiteren Verlauf des Workshops für Fragen zum Studium am MIT und in den USA allgemein zur Verfügung zu stehen, wurde gern in Anspruch genommen, und bereits in der folgenden Pause fand eine Diskussion statt über Leben und Studieren in den USA.
Der nächste Vortrag von Sabine Nick, der neuen Organisatorin der Chemie-Olympiade in Deutschland, wandte sich wieder dem Studium in Deutschland zu: Unter dem Titel „Haben Chemiebücher ausgedient? Lese- und Lerngewohnheiten von Studierenden mit Haupt- und Nebenfach Chemie“ präsentierte sie die Ergebnisse einer Studie zu diesen Themen und erörterte mögliche Ursachen dieser Resultate (z.B. der begrenzte Gebrauch elektronischer Lernmittel).
Schließlich ließen Dimitri Loutchko, Christian Oberender und Philipp Steininger, drei der vier Chemie-Olympioniken 2007 (Stefan Pusch fehlte leider) die IChO 2007 in Moskau mit zahlreichen Bildern Revue passieren.
Nach diesem Nachmittagsprogramm und ca. anderthalb Stunden Freizeit (die von vielen zur weiteren gastronomischen Erkundung der Stadt genutzt wurde) wandte sich das Abendprogramm wieder dem für die Stadt prägenden Glas zu: Im Schott Glasmuseum hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, etwas über die Geschichte des Glases und seiner Herstellung sowie über die Geschichte der Firma zu erfahren. Im nahe gelegenen Museum über Otto Schott und seine Familie erfuhren sie etwas über das Leben des Glas-Revolutionärs.
Der Abend schließlich stand wieder im Zeichen unterhaltsamen Beisammenseins in der Jugendherberge.
Der Großteil des Vortragsprogramms am Samstag stand im Zeichen fachlicher Einblicke.
Den Auftakt machte Jens Meiler mit „Protein Folding @ Home“, wo er Methoden zur theoretischen Berechnung von Proteinstrukturen sowie deren Probleme und Konsistenz mit experimentell bestimmen Strukturen erörterte. Selbst an der Vanderbilt University, Nashville tätig, konnte auch er Einblicke in die Studienmöglichkeiten in den USA geben.
Im Anschluss zeigte Prof. Jürgen Popp von der FSU Jena in „Biophotonik – Das Potential optischer Methoden für eine innovative medizinische Diagnostik“, wie sich Ramanspektroskopie auch auf lebende Systeme anwenden lässt.
Der nächste Vortrag war ein Exkurs: Chemie-Olympiade-Altorganisator Wolfgang Bünder gab in „Was können wir wissen?“ eine Einführung in die Kantsche Erkenntnistheorie, nicht ohne vorher die erkenntnistheoretische Vorgeschichte des Empirismus und Rationalismus zu besprechen.
Für das Mittagessen waren Pizzen organisiert, die mit kleinerer oder größerer Verzögerung eintrafen.
Der nächste Vortrag (während dem einige in der letzten Reihe noch ihre Pizza genossen) wandte sich wieder Proteinen zu: Gunnar Jeschke von der Uni Konstanz erörterte, inwieweit Spinsondenmethoden (Methoden, die mit dem Spin einzelner Elektronen arbeiten) in Zukunft helfen können, die Struktur von Proteinen zu bestimmen.
Ebenfalls mit Makromolekülen, aber nicht mehr mit Proteinen beschäftigte sich in seinem Vortrag „Sequenzierte Makromoleküle inspiriert durch die Natur“ Prof. Ulrich S. Schubert von der FSU Jena: Er zeigte unter anderem auf, wie „lebende“ (gesteuerte) Polymerisationen genutzt werden können, um maßgeschneiderte Polymere zu erhalten.
Den krönenden Abschluss bildete der Experimentalvortrag „450 Jahre Chemie in Jena“ von Prof. Matthias Westerhausen, indem er anhand von verschiedensten, teilweise ohrenbetäubenden Experimenten („Ich bitte Sie, den Mund aufzulassen...“) mehrere Jahrhunderte Chemie Revue passieren ließ. Die lauten Knalls waren nicht die einzigen bemerkenswerten Geräusche: Nach dem Ende des Vortrags ertönte ein Feueralarm im ganzen Gebäude. Zum Glück brannte es jedoch nirgendwo. Der während den Experimente gebildete Qualm hatte nur einen nicht abgeschalteten Feuermelder ausgelöst.
Nach diesem unerwarteten Ausgang stand das Abendprogramm wieder im Zeichen eines der Wahrzeichen Jenas: Im Zeiss-Planetarium Jena warteten verschiedene Abendprogramme – „Die Entdeckung des Weltalls“ mit Galileo Galilei, „Schwerelos: Spaceman“ oder die Musikshow „Queen Heaven – The Original!“.
Im Anschluss trafen sich einige noch in der Jugendherberge, um wieder verschiedene Spiele zu spielen (fehlende Karten wurden ggf. mit einem Skatblatt improvisiert).
Am nächsten Morgen stand das Mitgliedertreffen an, auf dem der Vorstand und andere in Projekten Aktive über die Vereinsaktivitäten berichteten und sich Freiwillige für anstehende Aufgaben fanden. Zum anschließenden Ausklang des Workshops gab es eine Thüringer Spezialität: Thüringer Rostbratwürste, frisch vom Grill. (Den Rekord mit vier Würsten hielt der Autor dieses Berichts, wofür er sogleich den Titel „Vielfraß“ verliehen bekam.) Auch hier war noch Gelegenheit für interessante Gespräche.
Schließlich verabschiedete man sich voneinander bis zum nächsten Workshop, der vom 08. bis 11. Januar 2009 in Karlsruhe stattfinden wird.
Wir bedanken uns herzlich bei den Organisatoren des diesjährigen Workshops Martin Thomas, Leon Freitag und Joachim Kübel, die trotz ihrer geringen Personenzahl den gesamten Workshop auf die Beine gestellt haben (und das, obwohl sie partiell, im Falle von Joachim, nicht einmal selbst dabei sein konnten) sowie allen anderen, insbesondere den Vortragenden, die zum Gelingen dieses Workshops beigetragen haben.
Marian Breuer
Zum Programm des Workshops in Jena.