TEILNEHMERBERICHT üBER DAS LANDESSEMINAR RHEINLAND-PFALZ/SAARLAND 2011
Am einem sonnigen Sonntag, dem 6. Februar, trafen sich 15 wissbegierige Schüler/Schülerinnen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland im Gemeinschaftszentrum in Trippstadt. Einige hatten einen längeren Weg hinter sich und alles war ihnen völlig fremd, andere hatten nur einen kurzen Weg oder hatten schon einmal am Landesseminar teilgenommen und waren somit etwas vertrauter mit der Umgebung.
Nach einer kleinen Vorstellungsrunde und einer etwas längeren Begrüßung durch Fr. Dr. Hornung und den Prodekan des Fachbereichs Chemie durften wir die Zimmer im oberhalb liegenden Gästehaus beziehen. Durch Kennenlernspiele konnte in erster Linie das Eis gebrochen werden und die Namen gelernt werden sowie die Zeit bis zum Abendessen sinnvoll überbrückt werden. Nachdem sich alle gestärkt hatten und sich wieder im Gemeinschaftsraum versammelt hatten, sollte es nun an der Zeit sein, das Gesellschaftsspiel „Die Werwölfe im Düsterwald“, welches sich schon in den letzten Jahre bewährt hatte, zu spielen. Auch in diesem Jahr wurde bei den meisten Teilnehmern die Begeisterung für das Spiel geweckt. Den restlichen Abend – nach mehreren Werwolf Runden – verbrachten wir mit Gesprächen sowie neuen Spielen wie Bluff, Wizard oder Carcassone, bis sich alle schließlich, spät in der Nacht, ins Bett verkrümelten und gespannt den nächsten Tag erwarteten.
Nach einem reichhaltigen Frühstück am Montagmorgen machten wir uns alle um 8.00 auf den Weg zur Bushaltestelle, um zu einer abenteuerlichen Reise zur Uni aufzubrechen. Nach Erkundung aller - auch winzigster – Dörfer um Trippstadt herum, in die der Bus – auf dem Weg nach Kaiserslautern – hineinfahren musste um durch ein elegantes Drehmanöver wieder denselben Weg zurückzufahren, kamen wir schließlich, nach einem „klitzekleinen“ Umweg zu Fuß, im Chemiegebäude der Universität an. Angekommen begannen wir mit unserem ersten Aufgabenseminar zum Gebiet „Anorganische Chemie“, bei dem wir vergangene 3. und 4. Runden Aufgaben der IChO bearbeiteten. So bearbeiteten wir – allein oder in Gruppen – Aufgaben zum Orbitalmodell, zur Kinetik und Löslichkeit oder zu Säure/Base. Durch die Hilfe der 3 Betreuer konnten Fragen geklärt werden, um schwierigere Aufgaben zu lösen. Bevor wir uns – hungrig von den kniffligen Aufgaben – auf den Weg Richtung Mittagessen machten, suchten wir noch Schutzkittel und Schutzbrillen für die Laborarbeit am Nachmittag aus. Gestärkt durch ein gutes Mittagessen in der Uni-Mensa, bekamen wir eine Einführung durch eine Lehramtsstudentin, die uns für den heutigen Tag im Labor begleiten sollte. Sie fasste kurz alles Wissenswerte über Farben und Farbpigmente zusammen, die wir danach im Labor herstellen sollten. In Zweiergruppen arbeiteten wir schließlich daran, aus unscheinbaren Chemikalien, Farbpigmente wie Kupferphthalocyanin, Berliner Blau, Grünspan oder einem Glimmer-Eisenoxid herzustellen. Aus letzterem Farbpigment konnte sogar einen rosaroten, glitzernden Lippenstift hergestellt werden. Langsam lernten wir sich in einem Labor zurechtzufinden und konnten uns mit unbekannten Apparaturen vertraut machen. Immer mit Rat und Tat standen uns unsere 3 Betreuer und die Lehramtsstudentinnen, welche die Aufgaben vorbereitet hatten, zur Seite und klärten uns manchmal über unbekannte Arbeitsmaterialien auf oder beantworteten Fragen zur weiteren Vorgehensweise. Bei eventuellen Lehrlaufphasen konnte man zusammen mit Fr. Dr. Hornung Teile des Chemiegebäudes besichtigen. So sahen wir andere Labore in denen Studenten arbeiteten, sowie das Forschungslabor von Prof. Dr. Sitzmann und die Fachschaft der Chemiestudenten. Nachdem alle Farbpigmente zum trocknen in den Trockenschrank verfrachtet und die Laborplätze aufgeräumt waren, machten wir uns – hungrig nach der langen Laborarbeit (was wir zumindest vermuteten, da wir nicht wussten was uns am nächsten Tag erwartete) – auf den Rückweg nach Trippstadt. Nach einem vielfältigen Abendessen erfreuten wir uns schließlich an weiteren Runden Werwolf. Bis spät nach Mitternacht beschäftigte sich ein Teil der Gruppe (der wie am Vorabend einen sehr geringen Frauenanteil beinhaltete) noch mit anderen bereits erwähnten Spielen und Gesprächen über den erlebnisreichen Tag, bis zum Abschluss noch letzte Werwolfspiele das Zubettgehen für alle einläuten sollten.
Der Dienstag sollte nach dem Frühstück und der nun bekannten und nicht mehr seltsam scheinenden Busfahrt ganz der Laborarbeit gewidmet werden. Während uns eine andere Lehramts-Studentin einen kleinen Vortrag über Düfte und deren chemische Eigenschaften hielt und uns die Isolation des Duftstoffes Limonen aus Orangen erläuterte durften wir sogar eine Probe eines Feueralarms an der Uni miterleben. Die Limonen-Isolation sollte uns schließlich den ganzen Tag beschäftigen und so waren wir bis zum Mittagessen, das von allen sehnsüchtig erwartet wurde (da es eine Möglichkeit war sich Hinzusetzen und nicht wie im Labor stehen zu müssen), damit beschäftigt, die Apparatur zur Destillation aufzubauen, um aus den klein geschnittenen oder pürierten Orangenschalen den Duftstoff zu gewinnen. So sollte die Ausbeute verschiedener Vorgehensweisen zur Gewinnung verglichen werden. Die Herausforderung am Morgen war der Aufbau der doch etwas komplizierteren Apparatur, da im Schulunterricht kaum Zeit für solch aufwendige Versuchsapparaturen bleibt, die aber von allen gemeistert wurde. Nach dem schon erwähnten Mittagessen sollte mit der gewonnenen, schon nach Orange duftenden, Flüssigkeit weitergearbeitet werden. Sie sollte gereinigt werden, sodass am Schluss nur noch das reine Limonen vorhanden sein sollte. Dabei lernten wir neue Verfahren kennen, die zur Trennung von Fremdstoffen aus der Probe verwendet werden. Dies führte dazu, dass wir ebenfalls Übung im Säubern der Arbeitsmaterialien bekamen, was sich manchmal als etwas knifflig herausstellte. Ziel dieser Isolation waren wenige Tröpfchen Limonen, über die wir uns aber sehr gefreut haben. Zwischendurch konnten kleine Grüppchen noch an einer Führung durch den Fachbereich der Lebensmittelchemie teilnehmen und Analyseverfahren kennen lernen und die anderen Labore von Studenten besichtigen. Ein Analyseverfahren, die IR-Spektroskopie, konnten wir dann an unserem eigens extrahierten Limonen ausprobieren, was zeigte wie gründlich gearbeitet wurde. Nach einem diesmal wirklich langen Tag im Labor machten wir uns spät auf den Weg zum Bus um zu Abend zu essen. An diesem nun schon letzten Abend versammelten wir uns noch einmal, um ein gemeinsames Werwolf-Spiel zu genießen und zum Abschuss, auch wenn nur noch wenige bis dahin durchgehalten hatten (da viele zu erschöpft von den letzten Nächten waren), ein Tabu-Spiel geprägt von chemischen Worterklärungen, die jedoch fast immer auf Anhieb erraten wurden.
Mittwoch, der letzte Tag. Nachdem wir, zwar noch etwas müde, die Taschen gepackt und gefrühstückt hatten, verstauten wir alles in den Autos unserer Betreuer, so dass wir unser Gepäck nicht mit dem Bus nehmen mussten, und machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg an die Universität. Angekommen wurden wir durch Tim Bleith zuerst in die hohe Kunst der H-NMR-Spektroskopie eingeweiht, bevor wir unser zweites und letztes Aufgabenseminar, dieses Mal zur „Organischen Chemie“ machten. Für manche war dies durch die vorhandenen Oberstufenkenntnisse in der OC leichter zu lösen und für alle anderen bekamen wir noch einen kleinen Crashkurs in OC von Yorck Mohr. Auch das letzte Aufgabenseminar hinter sich gebracht, aßen wir ein letztes Mal in der Mensa Mittagessen, bevor sich das Seminar langsam dem Ende zuneigte. Nach einer Abschlussrunde, in der jeder noch einmal die Tage beurteilen konnte, besuchten wir den Experimentalvortrag „Chemische Experimente mit Gasen und Dämpfen im Kleinformat“ von Robert Stephani, in den die Abschlussfeier unseres Seminars integriert war. Yorck Mohr stellte den „Förderverein Chemie Olympiade“ (FChO) vor, überreichte mit den anderen zwei Betreuern Katharina Kober und Tim Bleith die Teilnehmerurkunden für das Seminar und es wurden die Leute bekannt gegeben, die es in die 3. Runde der Chemieolympiade geschafft hatten. Bevor sich jeder auf den Weg nach Hause machte, verabschiedeten wir uns voneinander, was uns doch schwer fiel, da wir schöne Tage miteinander verbracht hatten.
Abschließend möchte ich mich im Namen aller Teilnehmer beim FChO bedanken, der dieses Seminar erst möglich gemacht hat; bei der Universität Kaiserslautern, die ihre Labore und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat und natürlich bei unseren wundervollen Betreuern Yorck, Katharina und Tim, die uns sicher durch das Seminar geführt haben und erst zu dem gemacht haben, was es war. Es hat viel Spaß mit euch gemacht, aber die 4 Tage sind viel zu schnell vorbei gegangen. Ihr konntet uns mit eurer Begeisterung für die Chemie neu anstecken und so wollen viele – solange sie noch dürfen – nächstes Jahr wieder teilnehmen. Ich fand das Seminar echt gelungen und möchte meine Erfahrungen nicht missen.
Annika Steiner