BERICHT VOM LANDESSEMINAR 2010
Bericht Landessemiar der IChO in NRW 2010
(Nach dem Abschlussvortrag der Teilnehmerinnen und Teilnehmer)
Das diesjährige Landesseminar für die besten 20 Teilnehmer der zweiten Runde der IChO
aus NRW fand vom 30.1.10 bis zum 3.2.10 in Köln und Leverkusen statt. Die von der Landesbeauftragten
Frau Birgit Vieler (unterstützt durch ehemalige Teilnehmer der IChO) gestalteten,
und von der Bayer Science and Education Foundation finanzierten Tage waren für
uns geprägt von vielen neuen Bekanntschaften, Erlebnissen und verschiedensten Aspekten
der Chemie.
Samstag
Nach unserer Ankunft in der Jugendherberge Köln-Riehl am Samstagmittag und einer ersten
Kennenlernrunde, ging es zügig zum Schokoladenmuseum, vor dem ein erstes der zahlreichen
Gruppenfotos entstand. Mit dabei in unserer Gruppe waren fünf „alte Hasen“, die
schon das zweite Mal am Landesseminar teilnahmen und 15 „Frischlinge“, angereist aus
allen Teilen NRWs. Im Schokoladenmuseum erwartete uns eine Führung zum Thema: „Lebenselixier
Schokolade“. Diese begann mit einigen Informationen über den Kakaoanbau,
die Schokoladenherstellung, sowie den Schokoladenkonsum, wobei Deutschland beim jährlichen
pro Kopf Schokoladenverbrauch weltweit an Platz zwei steht. Anschließend wurden
wir von unserem Museums-Führer über die chemischen Aspekte der Schokoladenherstellung
aufgeklärt. So dient das Conchieren der Schokoladenmasse zur Verbesserung ihrer
Geschmacksqualität, denn unerwünschte Aromen verdunsten bei diesem Vorgang und die
begehrten Aromastoffe werden aufgeschlossen. Der unter Insidern meist geliebte Ort in
Köln ist neben der gotischen Kathedrale natürlich auch der berühmte Schokoladenbrunnen
im Schokoladenmuseum, dessen Inhalt wir natürlich ausgiebig kosteten.
Abends wurden wir dann zum Essen in das Colonia Brauhaus eingeladen, wo wir uns größtenteils
die frischen Haxen schmecken ließen, uns über den kölschen Akzent des Kellners
amüsierten, und spätestens bei den intensiven Tischgesprächen alle Scheu voreinander
verloren. Nachdem wir uns gestärkt hatten, sollte der erste Tag seinen Abschluss in einem
gemütlichen Kegelabend finden der sportlich betrachtet mit einer knappen, aber letztlich für
die Schüler erfolgreichen Fuchsjagd auf die Betreuer endete.
Sonntag
Am Sonntagmorgen machten wir uns relativ früh auf den Weg zum theoretischen Training
in das BayKomm in Leverkusen. Die kalte Wartezeit am Bahnhof überbrückten wir spielerisch
mit einem Chemie-ABC. Als wir unser Ziel erreicht hatten, wurden wir von Julian Stiller
in die Mechanismen der organischen Chemie eingeführt und Timo Gehring vertiefte unsere
Kenntnisse durch einen Vortrag über die Aromatizität. Danach bearbeiteten wir Aufgaben zunächst
in Einzelarbeit, jedoch erkannten wir recht schnell, dass diese anspruchsvollen Aufgaben
besser miteinander zu lösen waren. Hierbei kam es zu lebendigen Diskussionen und
Auseinandersetzungen. Beim gemeinsamen Mittagessen erholten wir uns von der Anstrengung.
Anschließend lernten wir bei einer Führung durch die Themenräume des BayKomms
einige Facetten des Bayer-Konzerns kennen. Die Herstellung eines Polyurethanschaums
am Ende des Rundgangs wurde, wieder zurück im Seminarraum, von Timo sofort mit uns
theoretisch aufgearbeitet, bevor Christian Reichhart uns in die anorganische Chemie einführte.
Zum Schluss verglichen wir unsere Lösungen in der gesamten Gruppe, wobei dies
teilweise durch Schülervorträge geschah. Am Abend verbrachten wir gesellige Stunden in
der Jugendherberge, wo wir über die Studienförderung durch Stipendien und den Förderverein
der Chemieolympiade informiert wurden. Florian berichtete über die IChO 2009 in
Cambridge, an der er selbst teilgenommen hatte.
Montag
Nachdem wir an den Tagen zuvor einige Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hatten,
begann der Montagmorgen für uns mit einem besonderen Komfort: Ein Bus brachte
uns pünktlich und stressfrei zum BayKomm in Leverkusen. Dort stellte uns Frau Dr. Monika
Schütze das Bayer-Unternehmen anschaulich dar. Besonders eindrucksvoll war der Unternehmensfilm,
der die Werte des Konzerns verdeutlichte. Danach hatten wir die Möglichkeit,
uns Teile des Werks im Original anzuschauen. Nach einer Bustour durch den Chempark
besichtigten wir die Chlor-Alkali-Elektrolyse, in der in den Elektrolysezellen nach dem Membranverfahren
unter anderem Chlor hergestellt wird. Sicherheit hat bei Bayer höchste Priorität,
deshalb wurden wir zuerst mit Helmen und Schutzbrillen ausgestattet. Darauf folgten
eine Führung durch Herrn Malchow. Alle unsere Fragen wurden von ihm ausführlich beantwortet
und wir konnten viele Details kennen lernen, z.B. zeigte er uns eine Apparatur zu
quantitativen Chlor-Bestimmung.
Nach dem Mittagessen im BayKomm war es dann an der Zeit unser Training von Chemieolympiadeaufgaben
fortzusetzen. Diesmal war der Bereich der physikalischen Chemie
an der Reihe, vorbereitet durch Britta Trappmann. Auch hier wurden die Übungsaufgaben
meistens in von gegenseitiger Hilfe und angeregten Diskussionen geprägten Gruppen gelöst.
Zudem konnten wir uns mit Problemen oder Fragen immer wieder an unsere Betreuer
wenden. Dadurch ging auch an diesem Tag jeder mit einem Lernerfolg aus der Übungsphase
hinaus.
Am späten Nachmittag wurden wir zum Currenta-Ausbildungsgebäude gefahren. Nachdem
wir die vier Stockwerke erklommen hatten, folgte eine theoretische Einführung durch Herrn
Körner in die praktische Laborarbeit, die für den nächsten Tag geplant war. Alle Fragen, die
wir stellten, sei es zum Versuch oder auch zur Sicherheit, wurden uns ausführlich und verständlich
beantwortet, sodass wir gut vorbereitet waren. Danach gingen wir in den Keller, um
unsere Schutzkittel anzuprobieren. Anschließend ließen wir den Tag mit einem anspruchsvollen,
aber geselligen Chemie-Spiel in der Jugendherberge ausklingen, wobei wir später zu
Tischtennis und Kartenspielen übergingen.
Dienstag
Auszubildenden des dritten Lehrjahres erwarteten uns zum geplanten Praktikum in den Ausbildungslaboren.
Jedem von uns Schülern wurde ein eigener Arbeitsplatz zugewiesen, sodass
wir die kompletten Versuche selbst durchführen konnten. Dabei wurden wir von den
Auszubildenden betreut, die alle unsere Fragen geduldig beantwortet haben und uns bei den
teilweise ungewohnten Handgriffen zur Seite standen. Im Labor warteten unterschiedlichste
Aufgaben und gefährliche Versuche auf uns. 2-Chlorbenzoesäure sollte nitriert und anschließendgereinigt
werden, die entstandenen Produkte wurden analysiert. Für den sicheren Umgang
mit den ätzenden und kochenden Chemikalien standen uns neben Schutzbrillen und
Kitteln drei verschiedene Handschuhsorten zu Verfügung, darunter ein langer, säurebeständiger
Schutzhandschuh, denn ein hochkonzentriertes Säuregemisch aus Salpetersäure und
Schwefelsäure musste auf 90C erhitzt werden, damit sich die 2-Chlorbenzoesäure darin
lösen und zudem nitriert werden konnte. Das Gemisch musste dann noch heiß auf Eis
gegossen werden. Nach Vorgängen wie dem Filtrieren mit einer Vakuumpumpe und der
Schmelzpunktbestimmung wogen wir nach der Trocknen der Produkte diese mit viel Fingerspitzengefühl
auf ein tausendstel Gramm genau ab und lösten sie in Aceton, um eine
moderne HPTLC durchzuführen. Parallel dazu titrierten wir 500mg der gelösten Produkte
mit Natronlauge, wozu wir selbst einen geeigneten Indikator auswählen mussten. Für die
Titration war auf jeden Fall sehr viel Geduld und die Hilfe der Auszubildenden nötig.
Nach erfolgreichem Abschluss der Experimentier- und auch Aufräumarbeiten, wurden die
aufgeschriebenen Messergebnisse in den Computer übertragen, zusammengeführt und
systematisch ausgewertet. Abweichungen von den Erwartungen oder zwischen verschiedenen
einzelnen Werten wurden ausführlich diskutiert und dann die Ergebnisse zusammenfassend
besprochen. Zum Schluss gab es ein großes Lob an die Schüler und herzlichen
Dank an die Bayer Stiftung, die diesen äußerst interessanten und spannenden Labortag
für uns ermöglicht hat. Ein besonderer Dank gilt hierbei sowohl Herrn Foerges und Herrn
Körner, die ihn mit großem Arbeitsaufwand und persönlichem Einsatz organisiert haben, als
auch allen Auszubildenden, die uns jederzeit bei allen Problemen geholfen, alle Fragen beantwortet
und so den Labortag in dieser Weise überhaupt erst möglich gemacht haben.
Nach dem spannenden und erlebnisreichen Labortag wurden wir dann zum Abend hin von
Bayer ins Casino eingeladen. Dort angekommen durften wir uns nun in einem schönen Ambiente
mit einem kleinen Essen für den weiteren Verlauf des Abends stärken. Um das Landesseminar
an unserem letzten gemeinsamen Abend nämlich angemessen ausklingen zu
lassen, besuchten wir im „Theater im Bauturm“ eine Aufführung von George Taboris „Mutters
Courage“ des freien Schauspiels Köln. Das Stück handelte von der Judenverfolgung
durch die Nationalsozialisten im Jahr 1944 mit besonderem Bezug auf das KZ Auschwitz.
Nach dem Ende der Vorführung wurden abschließend noch Fotos mit dem Ensemble geschossen.
Mittwoch
Nach der Abreise von der Jugendherberge am Mittwochmorgen bereiteten wir abschließend
noch den letzten Schliff unseres Vortrags über die vergangenen eindrucksvollen Tage vor,
den wir auf der Feierstunde halten sollten. Dann ging es auch schon in den Festraum, in
dem wir auf unsere Lehrer und Herrn Thimo V. Schmitt-Lord (Vorstand Bayer Stiftungen),
Herrn Reinhard Buchhorn (Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen), Frau Renate Acht
(Ministerialrätin im Miniserium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW) und viele
weitere Ehrengäste trafen.
Wir danken unserem Förderer der „Bayer Science & Education Foundation“ der uns dieses
unvergessliche Landesseminar ermöglicht hat, sowie Frau Birgit Vieler und unseren
Betreuern für den großen persönlichen Einsatz, die perfekte Planung und die hochwertige
Betreuung.
Lena Schulze-Edinghausen und Daniel Schürhoff