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ARTIKEL ZUM LANDESSEMINAR NORD 2008

Als Belohnung für die Bewältigung der zweiten Runde des Auswahlwettbewerbes der 40. internationalen Chemie-Olympiade machten sich am Montag, den elften Februar 2008, 15 Chemie-begeisterte Schüler aus Niedersachsen und zwei weitere aus Schleswig-Holstein auf nach Hannover, um dort drei Tage bei der Solvay Pharmaceuticals GmbH und zwei weitere Tage am Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie der Leibniz Universität Hannover zu verbringen.

 

Das Seminar begann am Montag nach einer kurzen Begrüßung mit einem Vortrag über das Pharma- und Chemieunternehmen Solvay und über die Entwicklung von Arzneimitteln. Dabei kamen interessante Fakten zum Vorschein, zum Beispiel kostet die Entwicklung eines Medikaments bis zu 800 Millionen Euro und dauert durchschnittlich zwölf Jahre.

Den Schülern wurde dabei erklärt, wie wichtig die „Pharmakokinetik“ ist, die sich mit der Aufnahme, der Verteilung, der Umwandlung und schließlich mit der Ausscheidung des Medikaments aus dem Körper (in der englischen Form kurz ADME) beschäftigt. So kann zum Beispiel ein an sich ungiftiges Medikament vom Körper in einen giftigen Stoff  umgewandelt werden.

Nach dem schmackhaften Mittagessen (besonders das leckere Dessert muss hier Erwähnung finden) ging es dann weiter zur Mikrowellenchemie, bei der die „Biginelli“-Reaktion, die auch in den folgenden Tagen weiter Thema war, behandelt wurde. Besonders interessant war auch der Vortrag über die Visualisierung der Moleküle am Computer, um so deren Struktur bestimmen zu können.

Nach weiteren spannenden Vorträgen gab es noch eine abschließende Runde, bei der unter anderem viele Fragen zum Berufsbild des Chemikers bei Solvay ausführlich von den Angestellten beantwortet wurden.

 

Auch am Dienstag gab es ein tages-füllendes Programm. So bekam man zum Beispiel Einblick in die NMR- und in die Massen-Spektroskopie, die mit anderen Analysemethoden wie der Chromatographie verbunden werden. Auch die Substanz-Bibliothek mit über einer Millionen Substanzen, auf die weltweit von Solvay-Standorten zugegriffen werden kann, wurde besichtigt.

Äußerst lehrreich war auch der PARC-Vortrag über die Parallel-Chemie durch die bis zu einer Million Verbindungen am Tag auf Wirksamkeit getestet werden können.

 

Am Mittwoch gab es unter anderem Einblicke in „Infotools“. Dabei erfuhren die Schüler auch, dass allein für Zeitschriften ein siebenstelliger Geldbetrag aufgewendet wird, um die Forscher auf dem Laufenden zu halten, und erhielten nützliche Internetadressen zur eigenen Recherche Am Nachmittag bekamen die Olympioniken einen Einblick in die Biologie und testeten die Wirkung eines Medikaments am isolierten Herzmuskel eines Meerschweinchens.

Gegen Abend wurden als Abschied bei Solvay Preise für den besten Schüler der zweiten Runde und die engagiertesten Schulen in Niedersachsen verliehen. Das schmackhafte Buffet bei der Preisvergabe und auch die Übernachtung im „Naturfreundehaus“ wurde dankenswerterweise vom Verband der chemischen Industrie Nord gesponsort.

Gegen 20 Uhr reisten noch zwei nette Chemiestudenten aus Göttingen an, um mit den Jugendlichen Aufgaben aus der Chemie-Olympiade zu bearbeiten.

 

An den folgenden Tagen gab es an der Universität einen praktischen Einblick in das Chemiestudium: Die Schüler durften eigenständig Versuche aus dem Grundpraktikum, wie die Berechnung der Oberflächenspannung eines Wasser-Ethanol-Gemisches oder der Aktivierungsenergie bei der Rohrzucker-Inversion, durchführen, die später in kurzen Referaten erläutert wurden.

Um einen Einblick in die Arbeit von Doktoranden zu schaffen, gab es Vorträge über Nanopartikelforschung und über die Bewegung von Ionen in Festkörpern, die zum Beispiel für die Eigenschaften von Akkumulatoren von wichtiger Bedeutung sind.

Nach weiteren Versuchen über den qualitativen Nachweis von Kationen konnten die Schüler ein abschließendes Gespräch mit zwei freundlichen Studierenden über das Studium führen.

 

Insgesamt war das Landesseminar für die Schüler ein voller Erfolg: Sie bekamen nicht nur interessante Einblicke in das Leben der (pharmazeutischen) Chemiker und der Chemiestudenten, sondern lernten beispielsweise auch viel über moderne Analysemethoden wie die NMR-Spektroskopie. Auch die Schüler an sich waren kontaktfreudig und erkundeten abends unter anderem gemeinsam das Nachtleben von Hannover.

 

Henrik Larsson