Deco Bild
Document Actions

BERICHT VOM 4-LäNDER-SEMINAR 2008

Aller Anfang war in unserem Fall weiß und kalt. Dichtes Schneetreiben hüllte einerseits alles in glitzerndes Weiß, andererseits auch Bahnhofsschilder in Unkenntlichkeit, und somit gingen uns gleich zu Beginn zwei Teilnehmer verloren. Nachdem auch sie sich dann in dem Seminarraum eingefunden hatten, der uns in den nächsten Tagen als zentrale Anlaufstelle diente, konnte es – nach einem Mittagessen, versteht sich – losgehen.

Dann stand der theoretischen Klausur nichts mehr im Wege, einmal abgesehen von der Mittagsmüdigkeit, die den einen oder anderen befiel. Die Fragen waren hart, aber fair – von Elektrochemie über Zeolithgeometrie bis hin zu Iodverbindungen reichte das Spektrum, und naturgemäß wusste niemand alles.

Da es nach der dreieinhalbstündigen Klausur bereits früher Abend war, wechselten wir wieder in die Mensa, um dort noch etwas zu essen, bevor es anschließend zum sportlichen Teil des Tages überging. Mit Turnschuhen und Tischtennisschlägern bewaffnet, erstürmten wir eine der Sporthallen der Merseburger Hochschule.

Während die Betreuer eifrig die Klausuren kontrollierten und manchmal etwas fragend auf unsere Antwortversuche starrten, spielten wir Tischtennis, Schach und Karten, bis wir uns auf den Weg zum Hotel machten. Abgesehen von ein paar Rutschpartien auf den teilweise spiegelglatten Wegen ging alles gut, und auch die Letzten konnten ihre Zimmer in Empfang nehmen – nicht alle waren erst im Hotel und dann in der FH Merseburg gewesen.

Der Aufbruch am nächsten Morgen gestaltete sich da schon etwas schwieriger, da die westdeutschen Zeitangaben Evas – Viertel vor und nach – einigen Teilnehmern wohl ein paar Probleme bereitet hatten. Beim Frühstück in der Mensa fanden wir uns jedoch alle wieder zusammen, und auch wenn der Kaffee nicht ganz reichte, konnte sich jeder ausreichend für den anstehenden Experimentalteil wappnen.

Die Mitarbeiterinnen von Frau Dr. Vogt hatten das Labor schon präpariert, also konnte es gleich mit dem Experimentieren losgehen. Jedes Land hatte die Aufgabe, einen Oxalatocuprat(II)-Komplex zu synthetisieren und eine unbekannte Säure über manganometrische und acidimetrische Titration zu identifizieren – Auswertungs- und Verständnisfragen inklusive. Natürlich zerbrachen hier und da ein paar Glasgeräte, Ammoniakschwaden waberten durch den Raum, automatisch schließende Abzüge schlossen sich, obwohl sie bereits geschlossen waren, aber im Großen und Ganzen funktionierte alles recht gut.

Anschließend bekamen wir noch Zeit, unsere Ergebnisse zu durchdenken, auszuwerten und schließlich auf Folie zu bringen, um sie dann vor versammelter Betreuer- und Lehrerschaft präsentieren zu dürfen. Die Betreuer hatten sichtlich ihren Spaß daran, unseren teilweise recht merkwürdigen Erklärungen lauschen und danach noch Fragen stellen zu dürfen. Schließlich war aber auch dieser Teil des Tages überstanden und der eigentliche Wettbewerb vorbei.

Nach einer kurzen Besprechung der Klausuraufgaben und einem ausführlicherem Abendessen ging es schließlich zum letzten Mal zurück zum Hotel, in dem wir das Vierländerseminar dann mit einem Spieleabend ausklingen ließen. Neben strategischem Mittelalterstädtebau sorgte auch ein Chemiespiel für Erheiterung.

Der dritte und letzte Tag des Vierländerseminars begann mit dem Auschecken aus dem Hotel und dem anschließenden Frühstück in der Mensa. In zwei Gruppen geteilt hatten wir dann die Gelegenheit, uns etwas genauer in der Hochschule umzusehen, durften Abwasser mikroskopieren und auf seine Zusammensetzung analysieren, Wasser elektrolysieren und kleine Autos über Brennstoffzellen antreiben. Nachdem unser Spieltrieb befriedigt war, beendeten wir den Vormittag mit einem Besuch im deutschen Chemiemuseum, in dem wir dank persönlicher Führung und interessanter Anekdoten einen Einblick in die Geschichte der chemischen Industrie erhielten. Den Höhepunkt bildeten dabei sicher eine alte Dampfmaschine und ein riesiges Schwungrad, die vor noch nicht allzu langer Zeit einmal den Druck für das Haber-Bosch-Verfahren bereitstellten.

Alles in allem waren diese drei Tage eine gelungene Veranstaltung, bei der man alte Bekannte wieder sehen und neue Bekanntschaften schließen konnte. – Die dritte Runde der IChO kann kommen!

 von Axel Straube